Alle Meldungen

Zeitraum wählen:

bis

16.02.2015

Gewachsener Glaube

Gabriele Haberl wurde auf dem Weg zur Taufe von Gemeindemitglied Angelika Unbescheiden begleitet.

Der Papst wünscht sich, dass die Gläubigen die Taufe wiederentdecken. Sie sollen sich die Erinnerung an jenen Moment mit Jesus zurückzuholen, "in dem er mich hat spüren lassen, dass er mich liebt", sagte Franziskus an Ostern. Den meisten Menschen dürfte das schwerfallen, da sie das erste Sakrament bereits als Baby oder Kleinkind empfangen haben. Anders ist es bei Gabriele Haberl. Die 43-Jährige wurde in diesem Jahr in der Osternachtsfeier getauft.

"Der Glaube beschäftigt mich seit Jahren", sagt Haberl, die in Ostberlin ohne Religionsbezug aufgewachsen ist. Vor allem die Arbeit auf Intensivstationen habe die Krankenschwester in Berührung mit existentiellen Fragen gebracht und ihren Glauben wachsen lassen. Als ihr das immer deutlicher wurde, habe sie auch Christin, habe sie Katholikin werden wollen, berichtet sie. Immerhin gebe es die katholische Kirche bereits seit über 2.000 Jahren.

Haberl wurde in der Pfarrei St. Bonifatius in Wiesbaden getauft, die zum Bistum Limburg gehört. Als sie sich vor einem Jahr zu diesem Schritt entschlossen hatte, stand der damalige Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bereits wegen hoher Baukosten für das Diözesane Zentrum in der Kritik; die Menschen traten eher aus der Kirche aus als ein. Haberl haben die Negativschlagzeilen in ihrer Entscheidung jedoch nicht beeinflusst: "Ich glaube doch nicht an den Bischof von Limburg, sondern an Gott."

Limburger Bischof in Taufvorbereitung kein Thema

Kirsten Brast ist Pfarrer in Haberls Heimatgemeinde. Er bestätigt, dass auch bei den anderen 14 Taufbewerbern in Wiesbaden Tebartz-van Elst kein Thema gewesen sei. Man habe in der Katechese mit den künftigen Christen weit weniger intensiv darüber besprochen, als es in der Öffentlichkeit oder den Kirchengemeinden der Fall gewesen sei.

Größeren Gesprächsbedarf habe es dagegen nach den Reaktionen aus dem Umfeld der Täuflinge geben, als sich diese zu ihrem Vorhaben bekannt hätten, so Brast. Neben Freude von Seiten der Gemeinde hätte es teilweise auch Verständnislosigkeit seitens der Familien und des Kollegenkreises gegeben. Einerseits müsse man zu seinem eigenen Glauben und der persönlichen Überzeugung stehen, andererseits ab und zu auch erklären, dass der Glaube selbst nicht mit denen gleichzusetzen sei, die ihn repräsentieren, sagt der Pfarrer.

Auch Gabriele Haberl hat ihren Wunsch nach der Taufe lange für sich behalten, "um nicht beeinflusst zu werden". Sie hat erst in der Endphase der Sakramentenkatechese ihr Umfeld informiert. Es habe viele baffe Reaktionen bis hin zu Diskussionen über die Kirchensteuer gegeben. Auch ihr 23-jähriger Sohn sei überrascht gewesen. "Er wollte zunächst mehr darüber wissen und hat sich dann für mich gefreut", berichtet Haberl.

"Die Atmosphäre in der Osternacht war ganz besonders"

Eine kleine Herausforderung sei für sie gewesen, dass die Aufnahme in die Gemeinschaft der Gläubigen "total öffentlich" in der übervollen Kirche in der Osternacht stattfand. "Aber man wächst mit der Aufgabe und so freute ich mich immer mehr darauf, den großen Tag so erleben zu können." Vom Ereignis selbst - neben der Taufe erhielt Haberl an dem Tag auch die Firmung und die Erstkommunion - ist sie immer noch beseelt: "Die Atmosphäre während der Feier der Auferstehung war so besonders und dann wurde ich auch noch von der Gemeinde bestärkt - seitdem laufe ich ganz freudig durch die Gegend!"

Jährlich sind knapp 10.000 katholische Täuflinge in Deutschland älter als sieben Jahre, davon sind rund 3.000 älter als 14 und gelten als Erwachsene. Die Motivationen seien unterschiedlich, erklärt Pfarrer Brast. "Es gibt echte Überzeugungstäter", solche die durch einen Schicksalsschlag oder durch Zufall zum Glauben fänden und welche, die über den Lebenspartner oder Fragen der Kinder zur Taufe gelangten. Bei manchen sei der auslösende Faktor, dass sie in kirchlichen Einrichtungen arbeiteten oder arbeiten wollten.

Der 32-jährige Tobias Dege stammt ebenfalls aus dem Osten Deutschlands und hatte den Glauben zunächst nur von der protestantischen Oma gekannt. "Mir fehlten im Leben aber Rituale, besonders in der Familie und die Kirche ist etwas, was seit 2.000 Jahren Bestand hat", sagt er. Als seine dreijährige Tochter im vergangenen Jahr getauft wurde, erwachte auch in ihm langsam der Wunsch danach.

"Doch dann habe ich das wieder aufgeschoben. Und nun, da ich als Azubi in einer katholischen Kita begonnen habe, ist der Moment gekommen", sagt Dege. Für sich persönlich bete er nun den Rosenkranz und versuche, einmal in der Woche an einer Eucharistiefeier teilzunehmen. Als ein längerfristiges Ziel hat der junge Familienvater sich vorgenommen, an ignatianischen Exerzitien teilzunehmen.

Gabriele Haberl freut sich derweil auf das erste Treffen und einen Erfahrungsaustausch mit allen Neugetauften. Als ihre nächsten Schritte plant sie, ihre Gemeinde kennenzulernen und sich mit der Bibel und dem Glauben zu beschäftigen. Haberl steht in engem Kontakt mit ihrer Taufpatin, einer seit Jahren ehrenamtlich engagierten Pfarreiangehörigen. "Als Neuling stelle ich ihr ganz andere Fragen, so dass auch sie ihren Glauben reflektiert", berichtet sie. Die Neu-Christin freut sich auf die Zukunft und darüber, dass mit der Taufe etwas Neues im Leben begonnen hat: "Irgendwann werde ich mir die Frage stellen, wo ich meinen Weg in der Kirche sehe, das muss alles noch wachsen."

 

Copyright: www.katholisch.de (Link zum Originaltext)